Girls’ und Boys` Day an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ein voller Erfolg
Sankt Augustin/Rheinbach - Roustiam Chakirov, Dozent für Regelungs- und Fahrzeugtechnik, lässt vor den Augen der staunenden Mädchen das Auto in der Maschinenhalle der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg „tanzen. Im gleichnamigen Projekt „Mein Auto tanzt“ lernen die Schülerinnen, wie Fahrzeuge der Oberklasse durch moderne Fahrwerke den Komfort erhöhen können. Mit Hilfe eines Kontrollpults senkt und hebt Chakirov die Stoßdämpfer des Autos und die Testfahrerinnen im Auto werden - sehr zur Unterhaltung aller - durchgeschüttelt.
Der Zukunftstag für Mädchen wird bereits zum elften Mal bundesweit veranstaltet, für Jungen gibt es den Projekttag „Neue Wege für Jungs“ seit 2010.
Trotz der besseren Schulabschlüsse entscheiden sich Mädchen noch immer deutlich häufiger für Berufe und Studienfächer, die typisch für ihr Geschlecht sind - bei Jungen sieht es ähnlich aus. Dieser Tendenz wollen der Girls’ und Boys’ Day mit praktischen Vorführungen und Arbeitsgruppen entgegenwirken.
In der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg funktioniert das gut: In den Laboren tüfteln die Mädchen ganz vertieft und lauschen Professorin Sabine Lepper. Sie zeigt einen sogenannten intelligenten Werkstoff, der bei verschiedenen Temperaturen unterschiedliche Formen annehmen kann. Die Mädchen sind sichtlich beeindruckt, wie sich ein Stück Nitinol-Draht nach dem Übergießen mit kochendem Wasser zu einer Büroklammer zusammenzieht. „Das Material besteht aus einer Nickel-Titan-Legierung und wird auch bereits seit Jahren für Brillenbügel verwendet“, erklärt Lepper.
In vielen weiteren Projekten werden interessierten Schülerinnen und Schülern aller Schulformen Berufe und Studienfächer näher gebracht, die eigentlich eine Domäne des jeweils anderen Geschlechtes sind. Dazu zählen an der Hochschule vor allem Ingenieursstudiengänge wie Maschinenbau, Elektrotechnik, aber auch Informatik, die eine sehr geringe Frauenquote aufweisen.
Lisa (16) aus Bonn zieht ein positives Resümee: „Ich habe mir das immer langweiliger vorgestellt, aber jetzt könnte ich mir schon vorstellen nach dem Abitur etwas Technisches zu studieren.“
Auch die 60 Jungen des „Boys’ Day“ wurden in für sie untypische Berufe eingeführt, zum Beispiel in die Arbeit eines Bibliothekars. Unter dem Motto „Detektiv im Informationsdschungel“ stellten die Jungs eine Ausstellung zu den Themen Astronomie und Fahrräder zusammen und präsentierten diese dann fachgerecht den Betreuern.
„Ich hätte nicht gedacht, dass die Arbeit in einer Bibliothek so umfangreich und auch interessant sein kann“, erzählt Kevin aus Sankt Augustin, der gerade seinen Realschulabschluss gemacht hat. „Ich werde es auf jeden Fall in Erwägung ziehen und mich mehr über diesen Beruf informieren.“
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